Wässerwiesen

Umleitung von Drainagewasser

Für viele naturschutzfachliche Ziele eignet sich die vollständige Entrohrung von Drainagerohren, aber eben nicht für alle. Was, wenn das Rohr einen Acker oder Grünland entwässert, das regelmäßig bewirtschaftet wird - auf der eine flächige Wiedervernässung nicht erwünscht ist? Es gibt einen Kompromiss zwischen vollständiger Wiedervernässung und Entwässerung. Sofern angrenzende Flächen zur Verfügung stehen, kann das Drainagewasser auch einfach dorthin umgeleitet werden, wo es lokal dem Boden, den Pflanzen und Tieren zur Verfügung steht, anstatt es über den Vorfluter zu verlieren. 

Ein gutes Beispiel, wie so etwas funktionieren kann, zeigt der Landschaftserhaltungsverband Ostalbkreis e.V. Der LEV hat einen trocken gefallen und überwucherten Weiher ausgebaggert, einen Mönch eingesetzt und damit wieder ertüchtigt. Doch woher kommt das Wasser zum Auffüllen des Weihers, wenn er doch ausgetrocknet ist? Man fand heraus, dass das Wasser im Rahmen der Flurbereinigung an den Weiher vorbeigeführt wurde – wie der Weiher früher gespeist wurde, war unbekannt. Nach Sichtung der Drainagepläne kam dem LEV dann die Idee, das Wasser aus den benachbarten Drainagen zur Bewässerung des Weihers umzunutzen. Dafür wurde die Drainagen freigebaggert und das Rohr auf einer Strecke von über 100 m höher gelegt, um ein ausreichendes Gefälle herzustellen. Die alten Tonrohre wurden dann mit einem wasserundurchlässigen KG-Rohr ersetzt, das das Drainagewasser in den Weiher führt. Parallel zum KG-Rohr hat der LEV einen Drainageschlauch verlegt, das noch eventuell vorhandenes Wasser abführen soll, damit der Acker nicht vernässt. Es hat sich gezeigt, dass das umgeleitete Drainagewasser ausreicht, um den Weiher vollständig mit Wasser zu befüllen.

Anders aber ebenso wirksam war die Maßnahme im Rahmen eines boden:ständig Projekts im Bayerischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen unter Projektträgerschaft des Amts für Ländliche Entwicklung in Ansbach, an dem unter anderem der Landschaftspflegeverband Mittelfranken beteiligt war. Eines von mehreren Zielen war die Reduzierung der Sediment- und Phosphoreinträge in den Hahnenkammsee aus angrenzenden landwirtschaftlichen Feldern. Hierfür wurden die Drainagen weniger umgeleitet, sondern angeschnitten und das Drainagewasser direkt in mehrere Rückhaltebecken eingeleitet. Die Rückhaltebecken dienen sowohl zur Phosphatausfällung aus dem Drainagewasser, zum Regenwasserrückhalt und zur Aufnahme von Straßenoberflächenwasser. Schließlich schaffen die Rückhaltebecken auch wertvollen Lebensraum für verschiedene Tierarten. 

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